Schlösser, Flaniermeilen und Hygge – Ein Zwischenstopp in Kopenhagen

Nyhavn, Kopenhagen

Wir schlendern am Wasser entlang, Meeresduft liegt in der Luft, die bunten Häuschen sind ins gemütliche Licht der Straßenlaternen getaucht und aus den unzähligen Restaurants und Bars klingen fröhliche Stimmen. Es ist hyggelig hier in Nyhavn, mitten im Herzen der dänischen Hauptstadt. Und obwohl Kopenhagen für uns „nur“ ein Zwischenstopp auf die entlegenen Färöer Inseln ist, möchten wir Euch gerne entführen in die Stadt, in der Gemütlichkeit auf Moderne trifft und in der nordische, westliche sowie mediterrane Atmosphäre miteinander verschmelzen.


Preisniveau und Verkehrsanbindung

Es ist – wie man es von Skandinavien gewohnt ist – nicht günstig in Kopenhagen. Vielleicht kann man sogar von „teuer“ sprechen, denn immerhin hat unser wirklich einfach gehaltenes Hotel am Stadtrand für drei Nächte ohne Frühstück stolze 280 EUR gekostet. Bei einem Abendessen schafft man es nur – und auch nicht überall – mit Pizza in die Region um 10 EUR. Eigentlich sind diese Zahlen aber gar nicht so interessant vor Ort, denn im Königreich an der deutschen Nordgrenze zahlt man mit Dänischen Kronen (1 EUR sind ca. 7,5 DKK).

Aus Norddeutschland bieten sich als günstige Verkehrsmittel nach Kopenhagen der Fernreisebus oder (sofern vorhanden) das eigene Auto – ggf. auch in Verbindung mit einer Fährfahrt z.B. von Puttgarden auf Fehmarn aus – an. Von Hamburg verkehrt zudem ein durchgehender Zug, welcher ebenfalls die genannte Schiffsverbindung nutzt. Ansonsten wird der Flughafen Kastrup nonstop aktuell (zumeist täglich) von Basel-Mülhausen-Freiburg (EasyJet), Berlin-Schönefeld (EasyJet und Norwegian), Berlin-Tegel (EasyJet und SAS), Düsseldorf (Eurowings und SAS), Frankfurt (Lufthansa und SAS), Genf (EasyJet und SAS), Hamburg (SAS), Hannover (SAS), Köln-Bonn (Ryanair), Luxemburg (Luxair), München (Lufthansa und SAS), Stuttgart (SAS), Wien (Austrian und Laudamotion) sowie Zürich (SAS und Swiss) angeflogen. Die Verkehrsanbindung sollte also kein Hindernis sein.


Sehenswertes

Aktuell gibt es in Kopenhagen aufgrund des Neubaus einer weiteren U-Bahnlinie relativ viele Baustellen. Unter anderem sind die Plätze Kongens Nytorv und Radhuspladsen betroffen. Der Cityring der Metro soll nicht vor Mitte 2019 eröffnet werden, auf den Baustellenschildern war von Beeinträchtigungen bis 2020 die Rede. Wir halten den Ausbau eines leistungsfähigen ÖPNV-Netzes für sehr wichtig und eine Fahrt in den bereits bestehenden, fahrerlosen U-Bahnlinien kann schon an sich ein kleines Erlebnis sein, wenn man ganz vorne sitzend durch die Tunnel rauscht. Aus unserer Sicht hat sich der Besuch also trotz der Bauarbeiten gelohnt. Warum? Das sagen wir Euch jetzt!

Die Schlösser von Kopenhagen
In Kopenhagen gibt es nicht nur ein, sondern gleich mehrere Schlösser. Das wohl bedeutendste ist Christiansborg, welches – von drei Seiten malerisch von Kanälen umgeben – sehr zentral nur wenige hundert Meter östlich von Hauptbahnhof, Tivoli (bei unserem Besuch leider geschlossen) und Rathaus entfernt liegt und neben königlichen Empfangsräumlichkeiten auch noch das Parlament, das Oberste Gericht sowie den Ministerpräsidenten beherbergt. Unmittelbar am Schlossplatz befinden sich die Schlosskirche und die ehemalige Börse, welche ebenfalls ein Foto wert sind. Das beste Bild von Christiansborg lässt sich unserer Meinung nach übrigens von der anderen Seite aus, wo Ehrenhof und Reitbahn liegen, machen.

Schloss Christiansborg, Kopenhagen
Schloss Christiansborg

Viel weiter den Inderhavn entlang Richtung Nordosten liegt die königliche Stadtresidenz Amalienborg, wo bei Anwesenheit der royalen Familie täglich um 12:00 Uhr ein Wachwechsel stattfindet. Die vier einzelnen Palais (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Levetzau, Brockdorff, Schack und Moltke) um den achteckigen Platz mit der Reiterstatue von Frederik V. befinden sich in einer Achse mit der imposanten Marmor- bzw. Friedrichskirche zur einen Seite und der neuen Oper jenseits des Hafenbeckens.

Am besten jedoch hat uns die ehemalige Sommerresidenz Rosenborg nur wenige Straßen westlich von Amalienborg gefallen, in der sich die Kronjuwelen befinden und welche am Rande des wunderschönen, königlichen Garten Kongens Have steht. Rund um das Schloss kann man sich von Sightseeing-Touren erholen, den Blick über das alte Gemäuer und durch den Park mit seinen vielen Skulpturen schweifen lassen und die Fische im Schlossgraben beobachten.

Schloss Rosenborg, Kopenhagen
Schloss Rosenborg

Mit dem Hafenbus zur kleinen Meerjungfrau
Im ÖPNV-Ticket sind auch Fahrten mit den im Hafen verkehrenden Passagierlinienbooten enthalten. Sie halten unter anderem in Nyhavn oder an der Königlichen Bibliothek beim Schloss Christiansborg und sind aus unserer Sicht eine günstige Alternative zu den Hafenrundfahrten. Wer auf Nordkurs an der Station „Nordre Toldbod“ aussteigt und rechts an der sehenswerten, anglikanischen Kirche St. Alban’s und dem Gefion-Springbrunnen vorbei geht, gelang nach wenigen Minuten zur wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit der Stadt: der kleinen Meerjungfrau. „Den lille Havfrue“ wird jedoch zumeist von Unmengen an Besuchern belagert und ein Foto ohne andere Personen drauf ist wahrscheinlich eine Seltenheit.

Statue der Kleinen Meerjungfrau, Kopenhagen
“Kleine Meerjungfrau”

Ein Ausflug hierher lohnt sich aber trotzdem, denn im Rücken der eifrigen Fotografen liegt das deutlich ruhigere Kopenhagener Kastell, welchem wir auf dem Rückweg einen Besuch abstatten. Unweit hiervon in Richtung Schloss Rosenborg liegt zudem das Wohnquartier Nyboder, welches ein frühes Beispiel für sozialen Wohnungsbau darstellt und in seiner Einfachheit sehr sympathisch ist.

Flanieren durch die Stadtviertel
Eigentlich bietet sich die gesamte Kopenhagener Innenstadt zum Flanieren an, da an schöner Bausubstanz wirklich kein Mangel herrscht. Zuallererst ist hier aber wahrscheinlich die Hauptgeschäftsstraße zwischen Kongens Nytorv und Radhuspladsen mit all ihren Plätzen, Parallelstraßen und Nebengassen zu nennen. Biegt man am Amagertorv nach Norden ab, gelangt man zur Dreifaltigkeitskirche samt Runden Turm, der nach dem Erklimmen seines stufenlosen Wendelganges eine gute Aussicht auf die Stadt bietet. Ebenfalls nach Norden, diesmal jedoch am Gammeltorv, muss man zur St. Petri Kirche, dem ältesten Gotteshaus der Stadt, abbiegen. Zuvor passiert man jedoch die 1829 fertiggestellte Liebfrauenkirche neben der Universität.

Einkaufsstraße, Kopenhagen
Schöne Aussichten in der Einkaufsstraße

Unser Favorit ist jedoch der eingangs erwähnte „Neue Hafen“, der als Nyhavn bekannt ist. Rund um das recht schmale Becken spielt das Leben in Bars und Restaurants, Ausflugsboote legen ab und alte Kähne lassen sich bewundern. Man kann sich hier gut vorstellen, wie es vor langer Zeit zugegangen ist, und man bekommt in der entspannten Atmosphäre eine Idee davon, was das dänische Wort „Hygge“ bedeuten kann.

Nyhavn bei Nacht
Der kunterbunte Nyhavn bei Nacht

Neuerdings führt von Nyhavn eine Brücke über den Inderhavn Richtung Christianshavn. Hier steht die Erlöserkirche, deren korkenzieherförmiger Turm Ausblicke auf den Süden Kopenhagens gestattet. Viel berühmter ist der Stadtteil aber wahrscheinlich für die selbsternannte Freistadt Christiania, eine alternative, vom Staat geduldete, autonome Gemeinde. Das Leben ist hier bunt, laut, frech und einfach anders. Auch wenn die dortige Lebensweise sicher nicht für jeden etwas ist, schadet ein kurzer Besuch auf keinen Fall – solange man nicht von den freilaufenden Kampfhunden angefallen oder den umherwabernden Cannabis-Wolken verschluckt wird.


Piratenfazit

Auch wenn man nicht nach Kopenhagen kommt, um von dort aus weiter auf die sonst äußerst schlecht zu erreichenden Färöer Inseln zu gelangen, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall! Die Stadt hat wirklich alles, was es für einen gelungenen City-Trip braucht: alte Gemäuer, schöne Flaniermeilen und eine entspannte Atmosphäre. Wenn Euch also ein paar Baustellen nicht stören, setzt am besten bei nächster Gelegenheit Segel auf die Stadt am Öresund. Falls doch, wartet einfach noch 2-3 Jahre ab, bis Kopenhagen in ruhigeres Fahrwasser gelangt ist. Und wer weiß: Vielleicht haben wir Euch bis dahin ja auch schon überzeugt, tatsächlich weiter auf die wundervollen Färöer Inseln zu reisen. Wie wir es dort fanden, berichten wir Euch aber ein anderes Mal!

Schreibe einen Kommentar

Ich stimme zu.