Die Färöer Inseln – Unterwegs auf Vágar und Mykines

Insel Mykínes

„Fyri vedur er ferd tin vid tyrluni i dag 04/10 avlyst“ heißt es in der SMS. Ärgerlich, unser Flug ist wegen schlechter Wetterverhältnisse gestrichen! Wir sitzen in unserer kleinen Hütte, der Wind pfeift unaufhörlich durch das winzige Dorf und die erst Frage ist nicht „Was sollen wir jetzt tun?“ sondern „Ist das wirklich ärgerlich?“. Nein, befinden wir, irgendwie ist es das ganz und gar nicht. Vielmehr passt es perfekt in unser kleines Abenteuer. Die Uhren ticken hier anders, Wetter und Meer bestimmen über die Tagesplanung. Willkommen auf den Färöer Inseln, willkommen auf Mykines, willkommen am äußersten Rande der Zivilisation!

Die wunderbare Insel-Gruppe mit grade einmal 50.000 Einwohnern, die – zu Dänemark gehörend – irgendwo im Nirgendwo des Nordatlantik im Dreieck zwischen Island, Norwegen und den Britischen Inseln liegt, müssen wir euch einfach in mehreren Teilen vorstellen. Wir beginnen im Westen mit der drittgrößten Insel Vágar und der bereits erwähnten Außeninsel Mykines. Habt Acht, Piraten, es wird stürmisch!

Preisniveau und Verkehrsanbindung

Zum Preisniveau reicht eigentlich ein Wort: teuer! So ist das halt auf abgeschiedenen Insel-Gruppen. Und wenn man sich dann gegebenenfalls noch auf eine noch abgeschiedenere Außeninsel wie Mykines verirrt, ist es unter Umständen noch ein Wenig teurer. Aber in der Regel verbringt man auf den Färöer, wo man mit Färöischen oder Dänischen Kronen bezahlt (ca.1 EUR = 7,5 kr = 7,5 DKK), ohnehin keine Ewigkeiten. Also versucht einfach günstige Unterkünfte und Flüge zu bekommen, es lohnt sich nämlich trotzdem!

Apropos Flüge: Hier führt kaum ein Weg am Abflughafen Kopenhagen-Kastrup (Atlantic Airways und SAS) und überhaupt kein Weg am Ankunftsflughafen auf Vágar vorbei. Wir haben unser kleines Färöer-Abenteuer daher mit einem kleinen Abstecher in die dänische Hauptstadt verbunden und bereits die Landung auf dem Archipel war Dank des Windes wahrlich abenteuerlich. Alternativ bietet die nationale Fluggesellschaft Atlantic Airways aktuell auch vergleichsweise seltene Verbindungen nach Aalborg, Bergen, Billund, Edinburgh und Paris sowie saisonale Routen nach Barcelona, Gran Canaria und Palma an.

Anflug auf die Färöer Inseln

Auf den Inseln selbst wird zudem ein ganz besonderer Service angeboten, den wir euch unbedingt ans Herz legen wollen: Helikopter-Flüge zu den abgelegensten Orten und Inseln nach Fahrplan zu Busticket-Preisen. Beachten müsst ihr hier nur, dass Hin- und Rückflug am selben Tag nicht erlaubt sind, um eine Zweckentfremdung (Stichwort: günstige Rundflüge) zu vermeiden. Für Leute, die besonders langsam oder mit dem eigenen Fahrzeug reisen möchten, verkehrt die Fähre „Norröna“ zwischen Island und Dänemark mit Zwischenstopp in der färöischen Mini-Hauptstadt Tórshavn.

Vágar

Vágar ist die Insel, an der zumindest Flugreisende nicht vorbeikommen. Schlimm ist das aber keinesfalls, denn die „Buchten(insel)“ hat einiges zu bieten.

Gásadalur mit Múlafossur
Bis zum Anfang des aktuellen Jahrtausends war Gásadalur einer der abgeschiedensten Orte in Europa, er war nur mit dem Helikopter oder zu Fuß erreichbar. Mittlerweile erleichtert ein Tunnel die Anreise erheblich. Trotzdem lohnt ein Ausflug, denn der Blick von der gegenüberliegenden Seite des „Gänsetals“ auf die Ortschaft mit dem Wasserfall Múlafossur im Vordergrund, dem Árnafjall („Adlerberg“) im Hintergrund und dem tosenden Nordatlantik zur Linken ist einfach unvergleichlich! Den alten (und steilen) Wanderweg in den Ort, den bis zur Tunneleröffnung mehrmals in der Woche ein fleißiger Briefträger gehen musste und über den früher die Toten aus dem Dorf transportiert wurden, gibt es übrigens noch immer. Er ist (pro Richtung) ca. 3,5 km lang und man braucht über 2 Stunden für die Tour.

Wasserfall Múlafossur

Trøllkonufingur („Hexenfinger“)
Der Trøllkonufingur, der im Deutschen „Hexenfinger“ („Trollweibsfinger“) genannt wird, ist eine Felsformation an der Südküste von Vágar, die einem gen Himmel gerichteten Finger gleicht. Aus unserer Sicht kommt sie am besten im Nebel zur Geltung, dann wirkt dieser Ort besonders mystisch. Aber das Wetter kann man sich auf den Färöer nicht immer aussuchen und so bleibt einem manchmal nur, fünf Minuten zu warten, denn bis dahin hat sich die Wetterlage einem färöischen Sprichwort nach schließlich gänzlich verändert. Ihr erreicht den Finger, indem ihr im Ort Sandavágur die Straße Nr. 11 im Kreisverkehr Richtung Ortsmitte verlasst. Überquert den Fluss, biegt halblinks und danach scharfrechts ab und folgt von nun an der Hauptfahrtrichtung, bis ihr am Ende des Weges an einen kleinen Parkplatz gelangt. Von dort aus geht es zu Fuß ein kurzes Stück zu einem Aussichtspunkt, wobei ihr einen kleinen Fluss überqueren müsst.

Der sog. Hexenfinger

Mykines

Wie ihr vielleicht eingangs gemerkt habt, ist Mykines für uns einer der besondersten Orte auf den Färöer Inseln. Man erreicht ihn lediglich per Helikopter oder zu bestimmten Zeiten im Sommer und Herbst mit der Fähre – falls das Wetter mitspielt. Bei uns musste der Rückflug um einen Tag verschoben werden, da ein Sturm tobte, die Fähre fuhr fahrplanmäßig ohnehin nicht. Da es oft zu solchen witterungsbedingten Schwierigkeiten kommt, sollte man den Ausflug auf die sogenannte „Vogelinsel“ nicht an das Ende der Färöer-Reise setzen, damit man einen gewissen Zeitpuffer für die Abreise nach Hause hat. Nicht umsonst sagt man, dass ein Paar niemals getrennt nach Mykines reisen sollte, da man dann Gefahr läuft, sich lange Zeit nicht zu sehen. Wir sind einfach direkt am Morgen nach der Ankunft am Vorabend hingeflogen und haben die Nacht vorher im Flughafenhotel verbracht.
Bevor ihr anreist, solltet ihr zudem an die notwendige Verpflegung denken. Auf Mykines gibt es keinen Supermarkt und das einzige Café/Bistro hat auch nicht immer geöffnet. Wenn ihr also nicht Gefahr laufen wollt, abends hungrig ins Bett zu fallen, solltet ihr vorab für euer leibliches Wohl sorgen.

An-/Abreise per Helikopter
Die Helikopter-Flüge zwischen dem Flughafen Vágar und dem Dorf Mykines waren ein echtes Highlight auf unserem Färöer-Trip. Die wunderschöne Landschaft mit ihren saftigen Wiesen, schroffen Felsen, hohen Klippen und dem aufgewühlten Meer unter sich zu sehen möchten wir in unseren Erinnerungen nicht missen. Als wir von der Möglichkeit der Hubschrauber-Flüge gelesen haben, war für uns sofort klar, dass wir das machen müssen. Und das Beste ist: die Flüge sind wirklich sehr günstig und dank der recht großen Helikopter von Atlantic Airways, die eingesetzt werden, auch relativ komfortabel. Auf dem verschobenen Rückflug hatten wir sogar das unglaubliche Glück, in den Genuss eines Privatfluges zu zweit zu kommen. Und wir hatten sogar das Gefühl, die beiden Piloten haben für uns eine kleine Extra-Runde gedreht – es war wunderbar!
Hubschrauber von Atlantic Airways

Färöer von oben

Mykineshólmur und Atlantische Brücke
Ganz im Westen von Mykines liegt der Mykineshólmur, und ganz im Westen des Mykineshólmur steht ein Leuchtturm. Er ist mit Stahlseilen im Boden verankert, denn hier, ganz weit draußen, spürt man die Wucht der Elemente ganz besonders. Man fühlt sich ganz klein inmitten des riesigen Ozeans und doch irgendwie großartig. Es lohnt sich nicht nur wegen dieses Gefühls hierher zu kommen. Der Weg vom Dorf aus ist ein Filetstück für Wanderer und teils spektakulär. Nachdem man den Ort Richtung Fähranleger verlassen hat, folgt man der Beschilderung nach rechts eine Wiese hinauf. Oben angekommen wendet man sich nach links und folgt dem ausgetretenen Pfad an einer Gedenktafel vorbei, bis es an den Steilfelsen entlang langsam hinab zur Atlantischen Brücke geht, welche einen schmalen Spalt zwischen der Insel und dem Holm überbrückt. Ausgeprägte  Höhenangst sollte man hier nicht haben, aber das Schauspiel, welches die Wellen zwischen den Felsen bieten, sollte man wiederum auch nicht verpassen. Von nun an immer der Nase nach Richtung Leuchtturm. Lasst euch ruhig Zeit, die Landschaft ist viel zu schön für Hektik und speziell auf Mykines ticken die Uhren ohnehin anders.
Leuchtturm auf Mykínes Holmur

Vogelwelt
Mykines ist besonders unter Ornithologen beliebt, da es aufgrund der Abgeschiedenheit einen großen Reichtum an Seevögeln bietet. Ende April beginnt zum Beispiel die Zeit der Papageitaucher, noch früher und auch länger sind jedoch Basstölpel zu beobachten, die auf den Färöer einzig hier anzutreffen sind. Unter anderem nisten auch Trottellummen auf der Insel und es gibt eine Kolonie von Krähenscharben, die zu den Kormoranen zählen.

Ruhe
Wer Partys und Menschenmassen sucht, ist ja auf den Färöer ohnehin nicht optimal aufgehoben. Gänzlich falsch ist man mit derlei Vorlieben jedoch auf Mykines. Laut der allwissenden Enzyklopädie Wikipedia leben hier 9 Menschen – wir hatten jedoch nicht den Eindruck, dass es doch so viele sind. Es ist vor allem ruhig hier, und das kann – grade auch im Zusammenspiel mit der Tatsache, dass man Wind und Wetter ausgeliefert ist – unfassbar entspannend sein. Auch deshalb war es für uns eher schön als schlimm, dass sich unser Rückflug verschoben hatte. Ändern konnten wir es ohnehin nicht und das Gefühl, einmal gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, war eine ganz besondere (positive) Erfahrung.

Passt auf und schaut, dass Euer Schiff nicht kentert in den unruhigen Gewässern um die Färöer Inseln. Schließlich wollen wir demnächst noch die anderen Inseln des Archipels mit euch entdecken!

Ein Kommentar bei „Die Färöer Inseln – Unterwegs auf Vágar und Mykines“

  1. Stefan Books sagt: Antworten

    Spannend und informativ

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