Die Färöer Inseln – Unterwegs auf Streymoy und Eysturoy

Ausblick vom Slaetarratindur

„Ja“ – und die Welt ist einfach nur perfekt um uns herum! Die eisige Kälte stört nicht mehr, die Anstrengungen des Aufstieges sind vergessen und sogar der Nebel lichtet sich. Die Aufregung fällt ab, die Emotionen fahren Achterbahn und es herrscht auch ein Stück weit Sprachlosigkeit. Hier stehen wir, nur wir zwei, hoch oben auf dem
Slættaratindur, dem höchsten Berg der Färöer Inseln, und haben uns grade verlobt. Endlich, nach so vielen Jahren! Juhu!!! Aber keine Angst, ihr müsst nicht zwingend um die Hand einer geliebten Person anhalten, wenn ihr die Inseln Streymoy und Eysturoy besucht. Alternative Beschäftigungsmöglichkeiten findet ihr im folgenden Beitrag.

Streymoy

Streymoy ist die größte und gleichzeitig die zentral gelegene Insel der Färöer. Hier hatten wir in einem wundervollen Bootshaus – in welches wir nachhaltig verliebt sind und welches über AirBnB buchbar ist – im Örtchen Hvalvík auch unsere Basis für unsere Touren auf dem Archipel (Ausnahme: Mykines).

Tórshavn
An der südlichen Ostküste der Insel liegt die Hauptstadt der autonomen Inselgruppe, welche mit fast 12.500 Einwohnern die mit Abstand größte Stadt der Färöer ist. Die bunte Häuserzeile am Hafen im Norden der Tinganes-Halbinsel erinnert ein wenig an das norwegische Bergen, welches wir bisher leider nur von Fotos kennen. Direkt dahinter befindet sich mit dem Dom zu Tórshavn aus dem Jahre 1788 die zeitälteste erhaltene Kirche des Archipels. An der Südspitze der Halbinsel ist mit dem Løgting eines der ältesten Parlamente der Welt beheimatet. Es empfiehlt sich ein Gang durch die engen Gassen der Altstadt, bevor man sich zur historischen Festungsanlage Skansin begibt, welche vom Osten her über die Hafeneinfahrt wacht und am zentralen Busbahnhof sowie am Fährterminal gelegen ist. Ansonsten lässt sich in Tórshavn vor allem gut essen und für färöische Verhältnisse umfangreich einkaufen. Eine
Touristeninformation findet sich im nördlichen Teil der Einkaufsstraße. Unser Tipp: Wer über die Straße 50 in die Hauptstadt gekommen ist, sollte auf der Rückfahrt unbedingt die Straße 10 nehmen, denn hier sind die Ausblicke viel toller!
Tórshavn

Kirkjubøur
Von der Hauptstadt aus erreicht man den Achtzig-Seelen-Ort an der äußersten Südwestküste auf einem technisch einfachen Wanderweg über den Kirkjuboreyn mit anschließender Bus-Rückfahrt (oder man nimmt den Mietwagen). In Kirkjubøur finden sich einige historische Gebäude in toller Lage direkt am Meer. Größtes Bauwerk ist die Ruine des Magnusdoms, zumeist Múrurin („Mauer“) genannt. Es kann nicht zweifelsfrei geklärt werden, ob das Gotteshaus jemals vollendet worden ist oder der Bau wegen eines Pestausbruchs, Aufständen oder anderen Widrigkeiten frühzeitig eingestellt werden musste. Anders sieht es bei der benachbarten Olavskirche aus, die mit ihrem Baujahr um 1250 schließlich die älteste bestehende Kirche der Inselgruppe ist. Das Trio an Sehenswürdigkeiten auf dem Gelände schließt der liebevoll erhaltene Königsbauernhof, welcher noch immer bewohnt ist und trotzdem in der wärmeren Jahreszeit seine Pforten als Museum öffnet.
Kirkjubour, Färöer Inseln

Saksun
Das winzige Dorf am westlichen Ende des Tals Saksunardalur besticht vor allem durch seine schöne Lage direkt am aufgespülten Sandstrand, der seit Anfang des 17. Jahrhunderts den Eingang zum Naturhafen versperrt. Bei Strandspaziergängen sollten unbedingt die Gezeiten beachtet werden. Zum Wohle der wenigen verbliebenen Anwohner sind Touristen-Autos auf dem Hauptparkplatz unterhalb des Museums abzustellen. Dieses bringt dem Interessierten bei Bedarf in der Sommerzeit das Leben der Bauern der Gegend näher. Die Dorfkirche stammt eigentlich aus dem nördlich gelegenen Tjørnuvík und wurde über den gehenswerten Wanderweg, der die beiden Orte verbindet, in der Mitte des 19. Jahrhunderts hierher gebracht, um sich weite Wege zu einer reformierten Kirche zu sparen.
Saksun, Färöer Inseln

Wasserfall Fossá
Der Wasserfall fließt (bei Tau- und/oder Regenwetter) an der nördlichen Ostflanke der Insel ins Meer und liegt einfach zu erreichen an der Straße 594 Richtung Haldarsvík. Oftmals wird er als höchster Wasserfall des Archipels bezeichnet, was allerdings aufgrund seiner Aufteilung in zwei (Haupt-) Kaskaden und die verhältnismäßig gering wirkende Höhe der Fallkante zumindest angezweifelt werden kann. Nichtsdestotrotz stellt er ein hübsches Fotomotiv dar – auch von der gegenüberliegenden Insel Eysturoy.
Wasserfall Fossá, Färöer Inseln

Eysturoy

Die „Ostinsel“ ist flächenmäßig und auch gemessen an der Einwohnerzahl die zweitgrößte Insel des Archipels. Wie der Name vermuten lässt, liegt sie östlich von Streymoy. Beide Inseln sind lediglich durch eine einzige Autobrücke (welche passenderweise nahe unserer Basis in Hvalvík den Atlantik überspannt) miteinander verbunden, was zuweilen zu langen Fahrzeiten zwischen Orten an gegenüberliegenden Ufern des Sundes führt.

Slættaratindur
Der eingangs bereits erwähnte höchste Gipfel (880 Meter) der Färöer findet sich im Norden von Eysturoy im Dreieck zwischen Gjógv im Nordosten, Funningur im Südosten und Eiði im Westen des Berges. Als Ausgangspunkt für eine Besteigung bietet sich der Parkplatz nahe des Sattelpunktes der Passstraße zwischen den beiden letztgenannten Orten an. Von hier aus folgt man zunächst einem der unzähligen Trampelpfade geradeaus den Berg hinauf. Ungefähr auf halber Höhe – wenn das Geradeausgehen langsam nicht mehr möglich ist – führt ein nun eindeutig als Wanderweg erkennbarer Pfad nach links deutlich moderater ansteigend um die westliche Flanke des Slættaratindur. Bereits jetzt hat man einen tollen Blick. Um den flachen Gipfel, der namensgebend ist, zu erreichen, ist jetzt nur noch ein wenig machbare Kletterarbeit zu leisten. Bei klarem Wetter kann man von oben die gesamte Inselgruppe überblicken – wunderschön! Nordöstlich liegt der zweithöchste Berg des Archipels – der 856 Meter hohe Gráfelli.
Verlobungsfoto

Risin und Kellingin
Unter anderem vom Slættaratindur aus (aber auch z.B. von Tjørnuvík) kann man – gutes Wetter vorausgesetzt – „den Riesen und das Weib“ sehen. Diese beiden Steinsäulen wirken vor der hohen Steilküste bei Eiði winzig, sind aber tatsächlich 71 (Risin) und 69 (Kellingin) Meter hoch. Der Sage nach soll das schöne Island (LINK???) die Absicht gehabt haben, die Färöer zu sich heranzuziehen. Mit der Aufgabe seien ein Riese und seine Frau beauftragt gewesen. Unglücklicherweise hätten die beiden jedoch zu lange gebraucht und seien vom Licht der aufgehenden Sonne versteinert worden. Wer das Naturdenkmal in seiner jetzigen Form noch bestaunen möchte, muss sich möglicherweise beeilen, denn es wird davon ausgegangen, dass Kellingin in nicht allzu ferner Zukunft einem Sturm zum Opfer fallen wird.
Felsformation Risin und Kellingin

Gjógv
Gjógv bedeutet „Felsspalte“ und ist für eben diese bekannt. Sie beherbergt den natürlichen Hafen, in den vom nördlichen Ortsteil eine steile Treppe hinab führt. Ein kurzer Spazierweg bietet Aussichten von oben in die Spalte und führt zur Hafeneinfahrt. Das Dorf an sich mit Fluss und Kirche ist typisch färöisch, hier haben wir auch zum ersten Mal das typische Lufttrocknen von Fischen beobachten können.
Stockfisch

Südspitze

Landschaftlich gut gefallen hat uns auch die Gegend zwischen den südlichen Orten Runavík und Æðuvík. Schade ist allerdings, dass die äußerste Südspitze mit Windkraftanlagen bestückt ist – aber man muss ja auch an die nachfolgenden Generationen denken!
Färöer im Süden

Also lasst euch nicht von solch minimalen Schönheitsfehlern abschreckenund seid auch beim nächsten Mal dabei, wenn wir euch in unserem letzten Teil den Nordosten der Färöer zeigen!

Schreibe einen Kommentar

Ich stimme zu.