Abenteuer Vancouver Island: Von Wandern bis Whale Watching

Titelbild Abenteuer Vancouver Island
Während unserer dreiwöchigen Rundreise in Westkanada haben wir insgesamt 6 Nächte auf Vancouver Island verbringen dürfen. Und ein Stückchen unserer Herzen verloren an dieses wilde Fleckchen Nordamerika. Ihr plant während eurer Kanadareise Zeit für ein kleines Abenteuer auf Vancouver Island ein? Mega! Dann lasst euch von uns mit ein paar Infos und Tipps versorgen.

Allgemeine Infos zu Vancouver Island

Vancouver Island ist mit einer Länge von über 450 km die größte Pazifikinsel Nordamerikas. Aufgrund ihrer Nähe zur Westküste ist „Van Island“ bei Kanadiern ein ausgesprochen beliebtes Urlaubs- und Ausflugsziel. So suchen nicht nur die Bewohner der Metropolregion Vancouver an den Wochenenden auf Vancouver Island das Abenteuer. Das Naturparadies lockt Besucher aus dem ganzen Land an. Und steht darüber hinaus auch bei US-Amerikanern hoch im Kurs. Schließlich trennen die Inselhauptstadt Victoria und das US-amerikanische Port Angeles Luftlinie gerade einmal etwa 30 km.

Anreise Vancouver Island

Vancouver Island lässt sich sowohl aus den USA als auch aus Kanada grundsätzlich auf zwei Wegen erreichen: Per Flugzeug und per Fährverbindung.

Mit dem Flugzeug nach Vancouver Island

Dabei ist die Anreise mit einem Wasserflugzeug gewiss ein einmaliges Erlebnis und bietet spektakuläre Aussichten über Küste und Insel. Zu beachten sind – neben den nicht zu verachtenden Ticketkosten – auch die Gepäckbeschränkungen in den kleinen Propellermaschinen. Mietwagen und Campingmobil können natürlich nicht mitgenommen werden, sodass während der Zeit auf Vancouver Island ggf. extra ein Fahrzeug angemietet werden muss. Wir empfehlen daher die Anreise mit der Fähre und bei Bedarf einen einfachen aber sicherlich nicht weniger schönen Rundflug mit dem Wasserflugzeug z.B. ab Port Alberni.

Mit der Fähre nach Vancouver Island

Vancouver Island bietet eine Vielzahl großer und kleiner Fährhäfen, von denen aus in regelmäßigen Abständen Schiffsverbindungen zum kanadischen Festland und in die USA, aber auch zu kleinen Nachbarinseln bestehen.

Für Urlauber dürften vor allem Fährverbindungen zwischen Port Angeles (US) und Victoria mit Black Ball Ferry Line sowie die vom BC Ferries  betriebenen Routen Vancouver (Tsawwassen) – Nanaimo (Duke Point) oder Victoria (Swartz Bay),
Vancouver (Horseshoe Bay) – Nanaimo (Departure Bay)
sowie die 16 stündige Inside Passage Prince Rupert – Port Hardy
von Interesse sein.
Die Preise variieren je nach Strecke, Reisezeitpunkt und mitgeführtem Fahrzeug. In den Sommermonaten sowie an feiertagsbedingten langen Wochenenden ist eine Vorabbuchung der Fähre empfehlenswert.

5 Abenteuer auf Vancouver Island

Diese großen und kleinen Abenteuer solltet ihr euch auf Vancouver Island nicht entgehen lassen:

Wandern in der Wildnis

Impression Juan de Fuca Trail
Mystical Beach, Juan de Fuca Marine Trail
Wandern wird auf Vancouver Island zum unvergesslichen Erlebnis. Denn das Eiland lockt mit Trails inmitten von großartigen Landschaften, Abgeschiedenheit und wilden Tieren.

Mit dem 75 km langen West Coast Trail im Pacific Rim Nationalpark bietet die Insel eine der weltbekanntesten Trekkingrouten. Allerdings ist die Anzahl der zugelassenen Wanderer pro Saison limitiert, wodurch Reservierung und Registrierung vorab zwingend notwendig sind. Aufgrund seiner enormen Beliebtheit sind die Startplätze nach ihrer Freigabe am Jahresanfang meist bereits früh ausgebucht. Ihr solltet euch also beeilen, wenn ihr für 2022 noch eine Zulassung ergattern möchtet. Falls ihr euch für eine Wanderung auf dem West Coast Trail interessiert, so legen wir euch Inkas Erfahrungsbericht auf blickgewinkelt.de ans Herz.

Da wir spät dran waren mit der Planung und der West Coast Trail uns somit nicht für Wanderungen zur Verfügung stand, haben wir nach Alternativen gesucht. Und eine gefunden. Denn der ebenfalls im Südwesten der Insel gelegene Juan de Fuca Marine Trail steht seinem berühmten Bruder in Puncto Landschaft, Wildnis und Abenteuer in kaum etwas nach. Auch hier werden Wandersleute mit Wildlifebegegnungen, zauberhaften Küstenabschnitten und sattgrünen Wäldern für ihre körperlichen Anstrengungen belohnt. Allerdings haben wir uns aus Zeitgründen dazu entschieden, nur einzelne Etappen der 47 km Streckenwanderweges zu gehen. Neben der Runde am Botanical Beach sind wir die Strecke zwischen China Beach und Mystical Beach gewandert und haben den Sombrio Beach erkundet. Kein leichtes Unterfangen.
Juan de Fuca Trail
Der Juan de Fuca Marine Trail bietet wundervolle Wanderstunden entlang der Küste
Denn es gibt bis auf die Ausnahme am Botanical Beach bei den Etappen leider keine Rundwege, sodass die einzige Möglichkeit ist, einzelne Strecken doppelt zu gehen, um wieder zum Auto zurück zu gelangen. Der in der Hauptsaison täglich verkehrende Wanderbus war uns leider keine große Hilfe. Dieser fährt nämlich nur zweimal täglich (Fahrplan hier) am frühen morgen und späten Nachmittag und war für unsere kurzen Tageswanderungen daher nicht zu gebrauchen.  

Bärenbeobachtung

Vancouver Island ist die Heimat von mehr als 7000 Schwarzbären. Damit hat die Insel eine der höchsten Populationsdichten weltweit. Beste Voraussetzungen also, um Meister Petz in freier Wildbahn zu begegnen. Allerdings solltet ihr fürs Bear Watching unbedingt den Kalender im Blick halten. Denn von November bis April halten die imposanten Raubtiere in ihren Höhlen Winterruhe.
Guided Tours
Am einfachsten, aber dafür auch am kostenintensivsten, ist die Buchung einer Bear Watching Tour. Zahlreiche Anbieter z.B. in Tofino und Ucluelet bieten mehrstündige Schiffstouren zur Bärenbeobachtung an, bei denen ihr mit Glück auch Adlern, Walen, Ottern und Co. begegnen könnt. Solche Touranbieter sind z.B. Jamie’s Whaling Station & Adventure Centres oder Adventure Tofino Wildlife Tours

Hinweis: Grizzly Tour
Auf Vancouver Island leben ausschließlich Schwarzbären. Verschiedene Anbieter wie Kinght Inlet Lodge oder Tide Rip Grizzly Adventures bieten ab Campbell River oder Telegraph Cove die Möglichkeit zur Grizzlybeobachtung im auf dem Festland gelegenen Great Bear Rainforest.
Bären alleine beobachten
Wir haben in unseren 7 Tagen Vancouver Island 3 Begegnungen mit Schwarzbären gehabt. Ganz ohne Tour und völlig kostenlos. Den ersten sahen wir in der Nähe einer Lachsfarm bei Campbell River, direkt auf der anderen Uferseite eines kleinen Flusses. Den zweiten beobachteten wir während einer Kayakfahrt in der Alder Bay, als er früh morgens an der Küste Futter suchte. Dem dritten begegneten wir zufällig auf dem Parkplatz unserer Waldhütte in Jordan River, als wir nach einem langen Tag zur Unterkunft zurückkehrten.
Junger Schwarzbär in der Alder Bay
Unsere Tipps zur Bärenbeobachtung:
Am frühen Morgen und späten Nachmittag sind die Bären auf Futtersuche und damit am aktivsten. Bären mögen Muscheln und Krebstiere und suchen diese gerne bei Ebbe an einsamen Strandabschnitten. Aber auch Lachse stehen hoch im Kurs. Die Ufer fischreicher Gewässer sind daher ein guter Spot zur Bärenbeobachtung auf Vancouver Island. Die Lachswanderung im Herbst ist wie ein lebendes Buffet für die Bären, welche sich eifrig ihren dicken Winterspeck anfuttern. Und der Geruch von Fischfarmen zieht die Tiere nahezu magisch an. Kein Wunder, dass die Quinsam River Hatchery bei Campbell River oder die Thornton Creek Hatchery in Ucluelet schon lange keine Geheimtipps mehr sind, wenn es darum geht wilden Bären zu begegnen.
Schwarzbär
Schwarzbär beim Lachfischen nahe der Quinsam River Hatchery
 
Wichtiger Hinweis:
Bären sind gefährliche Wildtiere! Bitte informiert euch im Vorfeld unbedingt zum Thema Bear Safety, um beim Aufeinandertreffen mit Meister Petz für beide Seiten (lebens)bedrohliche Situationen zu vermeiden. Haltet immer genügend Abstand (Fotos nur mit dem Zoom-Objektiv der Kamera) und tragt Bärenspray am Körper für Notfälle. Dieses erhaltet ihr z.B. in den Stores von Canadian Tire.

Naturnah wohnen

Eines unserer größten Abenteuer auf Vancouver Island war unsere kleine, abgeschiedene Ökohütte im Wald nahe Jordan River. Gefunden und gebucht haben wir sie übrigens via airbnb,  hier* für euch der Link zur Unterkunft. Herrlich, morgens inmitten der Bäume an der freien Luft zu Frühstücken. Oder in der tiefdunklen Nacht den Geräuschen des Waldes und seinen Bewohnern zu lauschen, während man in seinem kuscheligen Bett liegt. Auch wenn ihr nicht mit Campingwagen oder Zelt unterwegs seid, bieten Unterkünfte wie diese die Möglichkeit, wunderbar naturnah zu wohnen und so die kanadische Wildnis noch ein Stückchen mehr zu erleben.
Holzhütte im Wald bei Jordan River
Home sweet home: unsere kleine Waldhütte

Kayak- oder Kanufahren

Kayaken oder Kanufahren ist eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Kanadier. Und auch ihr solltet sie euch nicht entgehen lassen. Die Möglichkeiten reichen von ein paar gemütlichen Paddelstunden mit Blick auf die herrlichen Küstenabschnitte bis hin zu mehrtägigen Touren, bei denen mit etwas Glück sogar Wale und Orcas beobachtet werden können.
Da letztere aber recht kostspielig sind, haben wir selbst uns lediglich für einen Vormittag im Kayak entschieden. Bei unserer Guided Tour* in der Alder Bay haben wir nicht nur viel über die Insel lernen dürfen, sondern konnten auch Adler und Schwarzbär beim Frühstück beobachten und eine Walschule hören, auch wenn wir sie leider nicht zu Sehen bekamen.
Kayaken vor Vancouver Island
Spaß, Action und tolle Ausblicke beim Kayakfahren

Whale Watching

Vancouver Island ist einer der bestens Spots der Welt um Orcas aber auch Grauwale, Buckelwale oder Minkwale zu beobachten. Geführte Touren findet ihr z.B. ab Tofino, Ucluelet, Victoria und Campbell River. Die unangefochtene Walhauptstadt ist jedoch das kleine Örtchen Telegraph Cove, welches abgeschieden im hohen Norden der Insel liegt.
Orcas im Blackfisch Sound
Orcas im Blackfish Sound vor Vancouver Island
Wir selbst haben extra fürs Whale Watching die lange Fahrt nach Telegraph Cove auf uns genommen (eine Fährverbindung existiert nicht), um mit Pince of Whales* erneut die Walbeobachtung zu wagen. Und haben es keinen, wirklich keinen Moment bereut. Es war die dritte Waltour unseres Lebens. Und die mit Abstand erfolgreichste und angenehmste. Denn in dem kleinen Zodiac blieb uns entgegen unserer Befürchtungen die Seekrankheit komplett fern. Und so konnten wir es uneingeschränkt genießen, als plötzlich eine Schule Orcas um uns herum auftauchte. Oder wir mit vor Staunen und Ehrfurcht offenen Mündern beobachten konnten, wie ein Buckelwal mit lautem Platschen immer wieder vergnügt aus dem Wasser sprang. Reisemomente für die Ewigkeit.

Piraten-Fazit

Vancouver Island ist wahrlich ein Ort voller Abenteuer. Naturfreunde und Outdoorbegeisterte kommen in der unberührten kanadischen Wildnis voll auf ihre Kosten. Mindestens eine Woche Zeit sollte man für seinen Besuch einplanen, es können aber auch problemlos zwei oder drei Wochen auf Van Island verbracht werden, ohne dass es langweilig wird.

Uns persönlich werden insbesondere die einzigartigen Wildlife-Begegnungen wohl noch lange Zeit im Gedächtnis bleiben. Alleine für die hat sich der Besuch auf Kanadas wilder Insel schon gelohnt.
 *Hinweis: Holzhütte, Kayaktour und Whale Watching haben wir – wie alles andere auch – selbst gezahlt.

Ein Kommentar bei „Abenteuer Vancouver Island: Von Wandern bis Whale Watching“

  1. Hallo ihr beiden,
    ein sehr schöner Beitrag zu Vancouver Island. Wir haben die große Insel 2016 bereist, waren auch sechs Nächte dort und von der Vielfalt sehr angetan. Wir hatten ebenfalls auch ohne Tour das Glück, Bären in freier Wildbahn zu sehen, wobei sie einmal näher waren, als uns lieb war – da gibt es dann auch keine Fotos, allerdings einen Beitrag auf unserem Blog: https://willkommenfernweh.de/baerengeschichten-usa-kanada/

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