Wandern auf dem Pembrokeshire Coast Path – Von der Idee zum Plan

„Wie man im Wald sch…“ heißt es auf dem kleinen gelben Büchlein, dass ich von Kapitänin Kathi zum 25. Geburtstag bekommen hatte. Ein eher ungewöhnliches Geschenk, könnte man meinen. Doch so komisch es auch klingen mag, war es tatsächlich Teil einer Reihe von vielen Kleinigkeiten, die zusammengenommen eines der besten Geburtstagsgeschenke überhaupt bildeten: einen Tritt in den Hintern, der mir unmissverständlich „Mach es doch endlich!“ entgegenschrie! Schon seit einiger Zeit träumte ich davon den Pembrokeshire Coast Path ganz im Südwesten von Wales zu erwandern. Unsere Wanderreise nach Irland im Spätsommer 2013 hatte mir sehr gut gefallen und ich wollte mehr –mehr Strecke, mehr Natur und mehr Herausforderung! Und der Weg an der spektakulären Küste der traditionellen Grafschaft Pembrokeshire sollte schließlich zu den schönsten überhaupt zählen. Doch wie geht man ein solches Vorhaben an? Knapp dreihundert Kilometer Strecke sind nicht eben wenig. Gut 10.500 Höhenmeter sind sogar ganz schön viel. Der Reiseveranstalter, dessen Hilfe wir uns in Irland bedient hatten, bot die Strecke nicht an. Planung und Durchführung der Reise hätten – zumindest stellenweise – einen Schritt aus der eigenen Komfortzone heraus bedeutet. Nun liegt mein Geburtstag nun einmal im beginnenden Herbst, was unweigerlich bedeutet, dass die Tage in der Heimat kürzer und ungemütlicher werden. Und was macht ein waschechter Passport Pirat dann, wenn er (oder natürlich sie) nicht grade in klimatisch begünstigtere Gebiete reist? Richtig, er träumt vom Reisen! Glücklicherweise beinhaltete mein Geschenk neben dem wohl eher mit einem Augenzwinkern verschenkten, eingangs erwähnten Ratgeber auch noch eine sehr detaillierte Wanderkarte und einen Reiseführer. So gab es an verregneten Tagen viel Stoff fürs Blättern. Aus Blättern wurde Informieren, aus Informieren wurde Planen, aus Planen wurde Buchen und aus Buchen wurde schließlich Kofferpacken.  Doch bis dahin verging viel Zeit mit jeder Menge Arbeit.

Abwechslungsreiche Begleitung

Relativ schnell war klar, dass meine Kapitänin mich sehr gerne begleiten würde – nur eben nicht über die gesamten dreihundert Kilometer. Geplant war also einen Großteil der Strecke alleine zu gehen. Kein Problem, dachte ich mir. Dass ich am Ende froh sein würde, tatsächlich nur zwei Etappen ohne Begleitung gegangen zu sein, war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht klar. Wie es ja nun einmal so ist, gibt man im persönlichen Umfeld gerne einmal ein bisschen an, wenn man eine tolle Reise in Planung hat. So selbstverständlich auch dieses Mal. Selbstverständlich ist auch, dass einige der Opfer einer solchen Angeber-Attacke etwas scherzhaft behaupten, sie würden ohne Frage natürlich mitkommen. Keinesfalls selbstverständlich ist es hingegen, dass sie dies dann auch tatsächlich tun. Nicht lange musste ich warten, und ich hatte meinen Vater für den ersten Abschnitt mit im Boot. Und als schon alles fertig gebucht war und mein bester Freund erfuhr, dass ich auf der Mitte der Strecke ein paar Tage allein unterwegs sein würde, beschloss er kurzfristig, mich im Urlaub zu besuchen: nach einer durchzechten Nacht buchte er am nächsten Morgen – halb verkatert – einfach mal die Flüge. Ausblick auf Tenby

Unterkünfte und Etappen*

Das Zuschneiden der Etappen fällt unweigerlich mit dem Buchen der Unterkünfte zusammen, denn es gilt eine einfache Regel: ist am Ende eines Wanderabschnittes keine Unterkunft, musst du entweder den Bus nehmen (Notwendigkeit einer Haltestelle), bei einer Unterkunft weiter vorne oder bei einer Unterkunft weiter hinten auf dem Weg Halt für die Nacht machen. Also teilte ich die Route entsprechend der Lage der Orte mit Übernachtungsmöglichkeiten in insgesamt 16 Etappen ein. Und da ein Steuermann natürlich nicht den Unmut seiner Kapitänin zu spüren bekommen möchte, war ich darauf bedacht, die etwas kürzeren Etappen für das Ende des Weges, wenn Kathi mich begleiten sollte, zurückzuhalten. Gar keine Rolle spielte hier selbstverständlich der Gedanke, dass einem am Schluss etwas die Puste ausgehen könnte – nie und nimmer!
Monk Haven Manor B&B
Monk Haven Manor B&B
Gebucht wurde – wie so oft – vorzugsweise über Booking.com. Aber auch AirBnB und einige direkt gebuchte Unterkünfte waren dabei. Herausgekommen ist dabei der folgende Schlachtplan, in dem ich die besonders zu empfehlenden Unterkünfte namentlich nennen möchte: Karte Pembrokeshire Coast Path Cardigan (Anreise) – Newport – Fishguard/Goodwick – Abercastle (besonders gute Unterkunft: Garn Isaf B&B) – Whitesands Bay – Solva (Solfach) – Broad Haven (besonders gute Unterkunft: Anchor Guest House) – Marloes Sands – St Ishmaels (besonders gute Unterkunft: Monk Haven Manor B&B) – Milford Haven (besonders gute Unterkunft: Lord Nelson) – Pembroke Castle – Angle – Freshwater West – Broadhaven/Bosherston – Manorbier – Tenby – Amroth (besonders gute Unterkunft: Pleasant View in Kilgetty). Ich möchte anmerken, dass diese Planung ein Gehen von Norden nach Süden bedeutet, dass Meer immer zur rechten Seite. Warum ich mich für diese Richtung entschieden habe? Nun, der Weg war im Reiseführer ganz einfach so rum beschrieben. Und wenn man eine Karte betrachtet, wirkt ein Weg von Nord nach Süd ja immer ein kleines bisschen so, als ginge man bergab…

Probleme über Probleme

Da auf einer Wanderreise das Piratenschiff natürlich nicht mit dabei ist, ist zwischen den Orten Dale und Milford Haven (im obigen Schlachtplan die Etappen Marloes Sands – St Ishmaels – Milford Haven) darauf zu achten, dass zwei Passagen lediglich bei niedriger Tide (Niedrigwasser) trockenen Fußes zu passieren sind. Erreicht man diese Punkte zu der Zeit, da die Flut die Querungshilfen grade erst überspült hat, muss man entweder lange warten, kilometerlange Umweg in Kauf nehmen oder schwimmen.
Überschwemmte Querungshilfe
Zeitweise überschwemmte Querungshilfe bei Sandy Haven
Etwas weiter den Weg entlang kann man sich dann wieder glücklich schätzen, dass man nicht mit kanonenbesetztem Schiff aufgeschlagen ist, immerhin gilt es, den Truppenübungsplatz von Castlemartin zu überqueren. Die dort scharf schießenden Soldaten hätten dies sicher nicht witzig gefunden. Aus diesem Grund muss sich hier auch im Vorfeld informiert werden, ob der Platz zum gewünschten Zeitpunkt betreten werden kann oder ob man eine Alternativroute gehen muss. Grade das Gebiet um den Truppenübungsplatz ist recht dünn besiedelt, sodass es an den Etappen-Endpunkten oft keine oder nur sehr wenige Unterkünfte gibt. Entlang des gesamten Pembrokeshire Coast Path fahren aber – zumindest in den Sommermonaten – extra Busse für Wanderer.
Warnschild Castlemartin
Warnschild am Truppenübungsplatz Castlemartin
Da dieser Beitrag nicht mit Problemen enden sollte, möchte ich hier schon einmal den nächsten Teil unserer kleinen Serie zu einer der wohl schönsten Küstenwanderwege der Welt vorankündigen. Dort werdet ihr alles zum Thema An- und Abreise erfahren. Und bis dahin: Immer eine handbreit Wasser unterm Kiel! *Werbehinweis Die Nennung verschiedener von uns favorisierten Buchungsseiten und Unterkünften erfolgt aus purer Überzeugung und absolut unentgeltlich.

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