Irland 2013 – Wandern auf dem Slí Bhéara (Teil III)

Nachdem wir ein paar wundervolle Tage in Dublin verbracht hatten, reisten wir über Cork nach Glengarriff, den Ausgangspunkt unserer Reise, um von dort aus unsere Wandertour zu beginnen. Und es sollte eine unvergessliche Tour werden, in der wir nicht nur die Schönheit der irischen Landschaften entdecken konnten, sondern auch die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Iren kennenlernen durften.

Etappe 1: Von Glengarriff nach nach Adrigole

zurückgelegte Strecke:  ca. 18 km höchster Punkt: ca. 540 m angegebene Wanderzeit: 5 – 7 Stunden tatsächliche Wanderzeit: ca. 7 Stunden
Das beschauliche Glengarriff
Unser Weg führte uns durch kleine Eichenwälder, über grüne Hügel und entlang imposanter Bergketten. Oftmals überquerten wir Weideflächen, auf denen die für das Landschaftsbild Irlands typischen Schafherden grasten. Und so abwechslungsreich sich der Weg mit all seinen Aufs und Abs gestaltete, so wechselhaft zeigte sich uns auch das irische Sommerwetter. Begannen wir unsere Tour noch bei strahlendem Sonnenschein, so wurde es hoch oben auf den Hügeln schnell windig, kühl und diesig. Aber wie eingangs bereits erwähnt, zahlt sich der Zwiebellook beim Wandern eben aus. Und wie heißt es doch so schön? Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung…
Wanderzeichen Beara Way; Irland
Unser Wanderzeichen

Etappe 2: Von Adrigole nach Castletownbere

zurückgelegte Strecke:  ca. 19 km höchster Punkt: ca. 530 m angegebene Wanderzeit: 5 – 7 Stunden tatsächliche Wanderzeit: ca. 8, 5 Stunden Nach einer wunderbaren Nacht im Gästehaus, bei der uns unsere Gastwirtin Margaret mit selbstgebackenen Scones nach unserer anstrengenden Wanderung am Vortag wieder zu Kräften kommen ließ, brachen wir am nächsten Tag früh auf. Schließlich wartete auf uns ein neuer spannender, aber auch anstrengender Wandertag und das Wetter sah nicht sonderlich vielversprechend aus. Während wir unserem Weg im Schatten des “Hungry Hills” folgten, verschlechterte sich das Wetter zusehends. Der ohnehin schon feuchte Untergrund weichte unter den Massen an Wasser, die sich mittlerweile aus den schwarzen Wolken über uns ergossen, immer weiter auf. Mit jedem Schritt gruben sich die Wanderstiefel tiefer in den morastigen Untergrund, dessen schlammige Massen nicht nur einmal über den Rand der Stiefel quollen und sich als kalter Matschschwall über unsere ohnehin schon geschundenen Füße ergossen. Je höher die uns umgebenden Hügel wurden, desto schlechter wurde zudem auch die Sicht, während sich die feuchtgrauen Nebelschwaden an den vorstehenden Felsvorsprüngen festzuklammern schienen.Irgendwann hielten nicht einmal mehr unsere Regenjacken dem Wolkenbruch stand und nach wenigen Stunden waren wir völlig durchnässt. Da standen wir also, irgendwo in den nebligen Hügeln Irlands, nass bis auf die Knochen, und völlig entkräftet ob der anstrengenden Wanderung auf matschigem Untergrund. Der “Hungry Hill” hatte seinen Namen nicht von ungefähr, und irgendwie erschien uns die Möglichkeit, dass auch wir von seinen Ausläufern verschlungen werden würden, immer wahrscheinlichet zu werden. Doch auch, wenn wir zwischenzeitlich kaum noch damit gerechnet hatten, erreichten wir nach mehr als 8 Stunden harter Wanderung endlich unser Ziel. Und so hatte am Ende auch diese Erfahrung etwas positives, hatten wir uns doch immer wieder gegenseitig zum Durchhalten motiviert und trotz der widrigen Umstände die komplette Strecke hinter uns gebracht. Echte Piraten geben einfach niemals auf!

Etappe 3: Rundwanderung auf Bere Island

zurückgelegte Strecke:  ca. 14 km höchster Punkt: ca. 220 m angegebene Wanderzeit: 3 – 4 Stunden tatsächliche Wanderzeit: ca. 4 Stunden Nachdem wir unsere Wanderung mit einem Tagesausflug nach Skellig Michael unterbrochen hatten, stand heute eine Rundwanderung auf der kleinen Insel “Bere Island” an. Diese erreicht man von Castletownbere problemlos mit der mehrmals täglich verkehrenden Fähre in wenigen Minuten. Bere Island, Irland Bei strahlendem Sonnenschein machte das Wandern natürlich richtig Spaß. Und diesmal zeigte sich das wechselhafte irische Wetter von seiner besten Seite, was allerdings auch dazu führte, dass wir uns – trotz der vorausschauenden Anwendung von Sonnenschutzmittel – einen dicken Sonnenbrand einfingen. Irgendwas ist halt eben immer 😉

Etappe 4: Von Castletownbere nach Allihies

zurückgelegte Strecke:  ca. 15 km höchster Punkt: ca. 290 m angegebene Wanderzeit: 4 – 5 Stunden tatsächliche Wanderzeit: ca. 5 Stunden Hatte am Vortag noch die Sonne über dem Küstenstädtchen Castletownbere gelacht, begann der heutige Tag wieder grau, windig und nass, sodass uns unsere Gastwirtin sogar anbot, uns bei dem usseligen irischen Wetter zu fahren. Obwohl wir ein wenig Angst hatten, ein ähnliches Wetterdesaster wie auf der zweiten Etappe unserer Wanderung zu erleben, schlugen wir das gut gemeinte Angebot aus. Schließlich hatten wir nicht dafür bezahlt, gefahren zu werden, sondern um die Natur Irlands zu entdecken. Und die zeigt sich manchmal auch eben von ihren unschönen Seiten.
Castletownberehaven, Irland
Das 800-Seelen-Örtchen Castletownbere – Metropole auf der Beara Peninsula
Doch glücklicherweise war uns das irische Wetter an diesem Tag doch noch gut gesonnen. Der Himmel klarte auf und getrockneten Fußes – schließlich sind wir vorher gut nass geworden – erreichten wir das kleine Örtchen Allihies, dessen bunte Häuserfassaden schon von weitem einladend zwischen den grünen Hügeln hervor blitzten.
Die bunten Fassaden von Allihies

Etappe 5: Von Allihies nach Dursey Sound (Windy Point)

zurückgelegte Strecke:  ca. 13 km höchster Punkt: ca. 286 m angegebene Wanderzeit: 3 – 5 Stunden tatsächliche Wanderzeit: ca. 5 Stunden Schon beim Aufbruch in Allihies gerieten wir in eine riesige Reisegruppe amerikanischer Wanderfreunde, die sich für diesen Tag augenscheinlich die gleiche Strecke ausgesucht hatten, wie wir. Die große Gruppe bestand aus einer bunten Mischung an geübten und ungeübten, alten und jungen Wanderern, die in unterschiedlichsten Geschwindigkeiten voranschritten und sich so schnell über eine Strecke von ca.1,5 km verteilt hatten. Und wir waren stets mitten drin, ohne Chance, die schnelle Truppspitze, die sich ganz vorne abgesetzt hatte und mit einem straffen Tempo vorausging, zu überholen, oder die langsamen Schlusslichter vorbeiziehen zu lassen, da deren Wandertempo derart langsam war, dass wir sie selbst beim gemütlichsten Gehen immer wieder einholten. Ihr werdet euch jetzt natürlich fragen, was denn überhaupt daran so schlimm ist, auf andere Wanderer zu stoßen. Abgesehen von der Tatsache, dass wir persönlich beim Wandern einfach ruhige und unbelebte Strecken bevorzugen, gab es an der ganzen Situation genau ein Kernproblem: auf einem windigen Küstenweg, auf dem die maximale Vegetation aus Grashalmen besteht, furchtbar dringend auf die Pippibox zu müssen, ist grundsätzlich schon eine kleine Herausforderung. Wenn man dabei von einer 60-köpfigen Reisegruppe umzingelt ist, die von allen Seiten aufgrund der unbewachsenen Flächen über hunderte Meter beste und freie Aussicht auf einen genießt, hat man schon ein größeres Problem. Hätte Kathi das vorher gewusst, hätte sie auf den Tee beim Frühstück sicherlich verzichtet… Nach fast drei Stunden schafften wir es schlussendlich, die Reisegruppe während ihrer Rast abzuhängen und die mittlerweile dringender gewordene Notdurft endlich zu verrichten – welch Wohltat! Unsere amerikanischen Freunde sahen wir danach nicht wieder. Überhaupt trafen wir nur noch auf einen freundlichen alten Iren, der uns ein wenig aus seinem Leben, die lokale Geschichte und über unsere weitere Strecke erzählte. Was eigentlich als angeregte Unterhaltung begann, gewann jedoch bei den Ausführungen des netten Mannes über einen nicht weit entfernten Absturzort eines Kampfflugzeuges aus dem Zweiten Weltkrieg an merkwürdigen Zügen, da seine Ausführungen schnell in Kriegserzählungen und Hasstiraden über das deutsche Nazitum abdrifteten. Spätestens als der höfliche aber auch etwas merkwürdige Greis uns auf seinen einsamen und verwitterten Hof mitnahm, um uns dort gruselige selbstgebastelte Lampen aus toten Seeigeln zu verkaufen, wurde es für uns Zeit, schleunigst Abschied zu nehmen und unseren Weg fortzuführen, auf dem wir an diesem Tag glücklicherweise auch keiner weiteren Menschenseele begegnen sollten.

Etappe 6: Rundweg Dursey Island

zurückgelegte Strecke:  ca. 15 km höchster Punkt: ca. 280 m angegebene Wanderzeit: 4 – 5 Stunden tatsächliche Wanderzeit: ca. 4 Stunden Wer nach Dursey Island will, der kommt um eine Fahrt mit dem sog. Cable Car nicht drumherum.Schließlich ist das Cable Car das einzig regelmäßig verkehrende Verkehrsmittel, um nach Dursey Island zu gelangen und besteht aus einer Seilbahn mit einer einzigen kleinen Gondel, die halbstündig zwischen der Insel und dem Festland die raue See überbrückt. Es ist für die wenigen Einwohner von Dursey Island, die dort in aller Abgeschiedenheit leben, zugleich auch einziges Transportmittel für ihre Waren und natürlich das Vieh, welches gegenüber anderen zu transportierenden Gütern und Touristen stets Vorrang genießt. Cable Car nach Dursey Island, Irland Nachdem wir die schaukelige Überfahrt gut überstanden hatten, begannen wir unsere Wanderung über die nahezu verlassene Insel. Doch auch diesmal meinte das raue irische Wetter es nicht sonderlich gut mit uns, sodass wir aufgrund starker Regenschauer, die ein Gefühl unzähliger Nadelstiche in unseren kalten Gesichtern hinterließen, und orkanartiger Windböen unseren Weg über die Insel sogar verkürzen mussten. Schließlich hatte der starke Wind zuvor bereits für Blessuren gesorgt, als wir die trügerische Ruhe zwischen zwei Böen nutzen wollten, um aus dem Windschatten eines zerfallenen Turmes zu treten, in dem wir ein wenig Schutz gesucht hatten. Denn der Wind war schneller als wir und bevor wir uns versahen, wurden wir beide von den Füßen gerissen, stießen zusammen und landeten unsaft auf dem Boden. Autsch! Es wurde also definitiv Zeit, den Rückweg anzutrete Und bei unserer Rückkehr aufs Festland wartete bereits unser Shuttleservice auf uns, der uns, wenn auch unter Anwendung des ziemlich rasanten und angsteinflößenden irischen Fahrstils, zurück nach Castletownbere brachte, von wo aus wir am Folgetag unsere Rückreise nach Dublin und schlussendlich den Heimflug antreten sollten.

Piraten-Fazit

Der Beara-Way ist ein wundervoller Wanderweg entlang der irischen Küste und über die grünen Hügel des Landes, der sich – je nach Wahl der Etappen- aufgrund der guten Beschilderung auch für unerfahrene Wanderer eignet. Ein gewisses Maß an körperlicher Fitness sollte man allerdings schon mitbringen, da das wechselhafte Wetter und die steilen Anstiege anspruchsvolle Herausforderungen darstellen können. Der Weg führt vorbei an bezaubernden kleinen Ortschaften, in denen man die Möglichkeit bekommt, die Gastfreundschaft der Iren kennenzulernen und völlig authentisch am irischen Lebensstil teilhaben kann. Wer also ein Herz für Wanderungen in wunderschönen, nahezu unbelebten Landschaften hat und auch das unbeständige irische Wetter nicht scheut, der sollte sich einen Trip auf dem Beara Way nicht entgehen lassen. Für uns war die Reise nach Irland jedenfalls ein tolles Erlebnis, bei dem wir unvergessliche Erinnerungen gesammelt haben und nicht nur vieles über das Land und seine Leute lernen konnten, sondern auch einiges über uns selbst.

2 Kommentare bei „Irland 2013 – Wandern auf dem Slí Bhéara (Teil III)“

  1. Hey,
    ganz toller Artikel. Nach Irland will ich auch unbedingt mal wandern.

  2. Hallo Oliver, vielen Dank für deine netten Worte. Wir können dir Irland wärmstens empfehlen, es ist wirklich ganz wunderbar dort und zum Wandern findet man viele tolle Wege in jeder Schwierigkeitsstufe 🙂

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