Gravel road ahead – mit Allradantrieb durch Island



Nachdem wir 2015 zwei schöne Tage in Reykjavík verbracht hatten galt es nur noch den Mietwagen abzuholen und unsere Rundreise durch Island zu beginnen.

Unser Weg sollte uns dabei nicht nur entlang der Ringstraße zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten führen, sondern auch quer durch das atemberaubende isländische Hochland. Wir haben Berge erklommen, Gletscher bestiegen und Flüsse durchfahren. Haben Elfen, Trolle und Kobolde gejagt und sind kläglich beim Versuch gescheitert, ein paar Wale zu beobachten. Haben uns hinter Wasserfälle geschlichen und uns auf den berühmten Waschbrettpisten ordentlich durchrütteln lassen. Und zu guter Letzt haben wir vor allem eins: unsere Herzen verloren an eines der schönsten und aufregendsten Länder, das wir je bereisen durften.

Unsere Route

Damit ihr eine ungefähre Vorstellung über unsere Reiseroute bekommen könnt, haben wir euch mit Hilfe von Google Maps unsere Tour einmal grob zusammengestellt.

Die gesamte Strecke haben wir innerhalb von 10 Tagen zurückgelegt. Mit unserem anfänglichen Aufenthalt in Reykjavík haben wir insgesamt 13 Tage in Island verbracht. Von dort aus starteten wir durch das Hochland in den Norden, bahnten uns unseren Weg an der Ostküste entlang und erkundeten Islands Süden, bevor es vom Flughafen Keflavík zurück in die Heimat ging.

Es gibt natürlich viele Möglichkeiten, das wundervolle Island und seine Bewohner kennenzulernen.
Das Angebot reicht von pauschal buchbaren Busrundreisen über selbst geplante und eigenständig durchgeführte Rundreisen mit dem Mietwagen bis hin zu Rad- und Wanderreisen für hartgesottene Sportfreunde. Bevor ihr euch für eine Reiseart entscheidet, solltet ihr euch natürlich über alle Möglichkeiten ausführlich informieren und das heraussuchen, was am Besten zu euch und euren Vorstellungen von einem schönen Urlaub passt.

Wir haben uns damals für eine individuelle Mietwagenrundreise entschieden, bei der wir die Route selbst festgelegt und die Flüge, Unterkünfte und unseren wunderbaren kleinen Geländewagen (Suzuki Jimny), den wir spontan auf den schönen Namen “Hermann” tauften, eigenständig gebucht haben. Die Reisevorbereitungen waren entsprechend zeitaufwändig, hatten jedoch auch ihre Vorteile. Schließlich konnten wir unsere Tour unabhängig planen und uns intensiv mit unserem Reiseziel beschäftigen. Was liegt wo? Was wollen wir wirklich sehen und erleben? Und wie viel Zeit wollen wir wo verbringen? All diese und viele weitere Fragen beschäftigten uns und so bekamen wir mit der Zeit einen guten Überblick über Island und seine Geheimnisse, die es zu entdecken galt.

Die Qual der Wahl: Busrundreise oder individuelle Tour?

Es gibt mittlerweile unzählige Anbieter, die vorgefertigte Busrundreisen durch Island anbieten. Dieses Reisemodell ist nicht nur bei asiatischen Touristen, sondern auch bei den Amerikanern durchaus beliebt. Schließlich erspart man sich im Vorfeld jede Menge Zeit und Aufwand, was die Planung und Buchung von Mietwagen, Unterkünften und Ausflügen betrifft. Was man hingegen definitiv nicht spart ist allerdings Geld. Und das kann schnell knapp werden während eurer Reise, denn Island ist kein besonders preiswertes Reiseziel. Aber nicht nur um des Geldes Willen legen wir euch eine individuell geplante und eigenständig durchgeführte Reise ans Herz. Busrundreisen zielen darauf ab, eine möglichst große Menge an Highlights mit einer möglichst großen Gruppe an Menschen in einem geringen Zeitraum abzuklappern. Wir haben sie so oft gesehen, die riesigen Reisegruppen, wie sie an den Parkplätzen der Sehenswürdigkeiten hektisch aus den rappelvollen Bussen stürmten, um während des kurzen Halts so viele Selfies wie nur möglich zu schießen. Ständig in einem Pulk aus Menschen unterwegs, den gehetzten Blick viel zu häufig auf das Ziffernblatt der Uhr geheftet. Schließlich wartet der Busfahrer nur ungern, denn es gilt einen straffen Programmplan einzuhalten.
Es gibt natürlich Menschen, die genau diese Art von Reisen bevorzugen, eben weil es so schön einfach ist. Und das ist auch völlig okay so. Allen anderen unter euch können wir wirklich nur empfehlen sich die Mühe zu machen und die Reise selbst zu planen und durchzuführen. So habt ihr die Chance, Island wirklich zu genießen und habt selber in der Hand, was ihr entdecken wollt und wie viel Zeit ihr wo verbringen möchtet.

Autofahren in fremden Ländern lässt euch den Angstschweiß auf die Stirn treten? Es besteht wirklich gar kein Grund zur Panik. Autofahren in Island ist aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens im Gegensatz zu Deutschland ein Klacks und die Ringstraße zu befahren ist nahezu idiotensicher. Großes Piraten-Ehrenwort.

Die Qual der Wahl: Geländewagen oder normales Mietauto?

Wenn ihr euch also dazu entschieden habt, die Insel auf eigene Faust zu erkunden, werdet ihr bei der Buchung des Mietwagens feststellen, dass grundsätzlich zwei verschiedene Angebotsformen bestehen: Wagen mit Allradantrieb und eben solche ohne Allradantrieb. Doch nicht nur in ihrer Antriebsart unterscheiden sich die Fahrzeuge, sondern auch in den Preisklassen. Ein Fahrzeug auf  Island anzumieten, ist grundsätzlich teuer. Für eine Mietdauer von 10 bis 14 Tagen müsst ihr bereits bei kleinen Fahrzeugen mit satten Mietpreisen von 600€ rechnen. Je größer das Fahrzeug, desto teurer wird es. Doch warum kostet die Anmietung eines Allradfahrzeuges für 10 bis 14 Tage bereits 1000€ aufwärts? Denn schließlich kann man in Deutschland zu derartigen Preisen bereits alte, aber durchaus fahrtüchtige Fahrzeuge kaufen. Und vor allem: sind diese unglaublichen Preise überhaupt gerechtfertigt?

Nun, es ist das ganz einfach so, dass alle Fahrzeuge importiert werden müssen und dadurch Kosten entstehen, die der Vermieter auf den Kunden umlegt. Zudem ist es einfach das alte Spiel von Angebot und Nachfrage. Viele Menschen möchten einen Mietwagen anmieten. Auf einer Insel gibt es allerdings nur ein begrenztes Angebot an Fahrzeugen und Vermietungsfirmen. Das lässt den Mietpreisspiegel drastisch ansteigen. Schließlich besteht keine andere Alternative, um an einen Wagen zu gelangen. Zwar kann man das eigene Auto mit der Fähre einschiffen, aber für einen kurzen Aufenthalt lohnt sich dieser Aufwand kaum.
Trotz der hohen Kosten empfehlen wir euch, den Aufpreis für einen Geländewagen mit Allradantrieb in Kauf zu nehmen. Der Grund dafür ist die Infrastruktur in Island. Die Ringstraße (Nationalstraße Nr. 1) ist die Hauptverkehrsroute des Landes und umrundet mit mehr als 1300 km Streckenlänge die Hauptinsel Islands. Sie ist zum Großteil asphaltiert, besteht teilweise aber auch aus Geröll und losen Steinen. Sie ist mit normalen PKW befahrbar und führt vorbei an den meisten wichtigen Orten und Sehenswürdigkeiten. Viele andere Straßen, insbesondere die, die ins Hochland führen, sind jedoch nicht asphaltiert. Hier warten loses Geröll,  Matsch, Sand, Steine, tiefe Schlaglöcher, die sog. Wellblech- bzw. Waschbrettpisten und Flussdurchfahrten (ohne Brücke) auf euch, die euch während der Fahrt ordentlich durchrütteln werden. Viele der sog. “gravel roads” sind ausschließlich für 4 x 4 Fahrzeuge, also solche mit Allradantrieb, zugelassen.

Warnschild in Island
Achtung, nur für Fahrzeuge mit Allradantrieb.

Das Befahren mit einem normalen PKW ist entsprechend verboten (und auch nicht zu empfehlen). Einige Autovermieter haben sogar Kopfgeldjäger damit beauftragt, Aufnahmen ihrer Mietfahrzeuge zu machen und zu melden, sobald ein Mietwagen auf einer verbotenen 4 x 4 Piste gesichtet wurde. Den Mieter erwartet dann eine ordentliche Strafe. Zudem  riskiert man seinen Versicherungsschutz und bleibt auf den Kosten für eventuelle Schäden schnell sitzen.
Zudem macht das fahren auf den 4 × 4 Pisten einfach jede Menge Spaß. Offroad-Fahrten sind im zwar auf Island verboten, um die einzigartige Natur mit ihren weiten Lavafeldern zu schützen, das tut dem Fahrspaß aber keinerlei Abbruch. Schließlich gibt es genug spannende “gravel roads”, die absoluten Fahrspaß bereiten.

Gravel Road


Piraten-Fazit

Alle unter euch, die mehr möchten als nur die gängigen Touristenmagnete an der Ringstraße zu sehen, sollten über die Anmietung eines Geländewagens mit Allradantrieb nachdenken. Denn dadurch bekommt ihr nicht nur die Möglichkeit, das einsame aber wunderschöne Hochland Islands mit seinen Gletschern, Gebirgen und Lavafeldern kennenzulernen, sondern habt auch die Chance auf abgelegene Wasserfälle, abenteuerliche Flussdurchfahrten und rasante Pisten mit Offroad-Feeling, bei denen das Befahren so richtig Freude bereitet und euer Adrenalin- und Endorphinspiegel ordentlich in die Höhe getrieben wird.

Spar-Tipp
Sollte es euch für eure Entdeckungstouren nur seltene ins Hochland verschlagen und sich der Aufpreis für einen Wagen mit Allradantrieb daher nicht lohnen, gibt es trotzdem zwei Möglichkeiten, kostengünstig euer Wunschziel zu erreichen:

1. Fahrt mit dem Reisebus
Auf Seiten wie z.B.
http://icelandbybus.is/,
http://sternatravel.com/ und
https://www.re.is/iceland-on-your-own/
könnt ihr Tagesausflüge und Linienbustickets erwerben, um mit speziell umgerüsteten Hochlandbussen auch die Ecken Islands zu erreichen, die ansonsten für euch und euren PKW nicht zugänglich wären.

2. Daumen raus und rein ins Abenteuer
Trampen ist insbesondere bei jungen Reisenden sehr beliebt und klappt ausgesprochen gut in Island. Einheimische und auch andere Touristen sind durchaus bereit, ausgelaugte Wanderer und gestrandete Abenteurer gratis ein Stückchen mitzunehmen. Scheut euch nicht und probiert es einfach selber aus.

Unser Mietwagen "Hermann"
Ganz schön dreckig geworden, der kleine “Hermann”.

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